Archiv der Bruchstücke

Fotoserie (ongoing)

verschiedene Formate

Fotoserie, seit 2014, ongoing

Das Archiv der Bruchstücke besteht aus Fotoserien, die zerstörte oder verlassene Orte und deren Vergangenheit in den Fokus rücken. Gezeigt werden Orte, die als zentrale Aufenthaltsorte galten, wie die aus Holz gebaute Synagoge in Zhezmer, das Ghetto in Vilna, aber auch jüdische Friedhöfe (wie in den Serien Cricket, No Admission, o.T., Tahara und Rachaduras). Diese verlassenen oder abgelebten Orte werden zu Räumen kollektiver Erinnerung. Die Geschichten des Verschwindens ihrer Gemeinschaften oder ganzer Generationen sowie deren Abwesenheit im öffentlichen Raum sind die Sujets der Fotoserien. Das Fehlen ist Programm. Jede Serie wird als Fragment verstanden und als individueller, ortsspezifischer Moment archiviert.
Die abgebildeten Orte unterscheiden sich stark. Das Vilnaer Ghetto wurde angelegt als Zwangseinrichtung, während die Synagoge in Zhezmer als Treffpunkt einer Gemeinschaft diente. Anzunehmen ist, dass die Bewohner*innen aus Zhezmer ins Vilnaer Ghetto deportiert wurden. Beide Orte verbindet die hinterlassene Leere der Verschwundenen, die ihnen begegnete Brutalität und ihr Leid. Die individuellen Geschichten sind im Laufe der Zeit von einer kollektiven Geschichtserzählung abgelöst worden und zählen nur noch als Teil eines Ganzen. In der Fotoserie Cricket wird ein ehemaliger jüdischer Friedhof in Mumbai gezeigt, der heute nur noch steinernes Feld ist. Kindern aus der Nachbarschaft dient er als Cricketfeld.
No Admission thematisiert die vergangene und aktuelle Zugänglichkeit eines Friedhofes in Mumbai und zeigt das langsame Versinken der Gräber. Gleichzeitig entwickelt sich ein Eigenleben durch die Hüter des Friedhofes, die den Ort vor dem Untergang bewahren. Auch in o.T. zeigt sich die Zeitlichkeit, wenn die Natur ihre eindrücklichen Spuren auf den beiden Gräbern des jüdischen Friedhofs an der Rat-Beil-Straße, Frankfurt am Main, hinterlässt.
In Tahara wird die traditionelle, rituelle Ganzkörperwaschung eines Verstorbenen thematisiert. Auf Hebräisch bedeutet ihr Titel „rituelle Reinheit“. Der abgebildete Tahara-Raum ist Teil des nicht mehr intakten Friedhofs der Prostituierten in Rosario, Argentinien. Die Serie Rachaduras zeigt Risse von Grabsteinen auf dem jüdischen Friedhof der Prostituierten in Cubatão, Brasilien. Der Fokus liegt auf der Gegenüberstellung von der Brüchigkeit der Grabsteine und der Geschichte der Frauen, die über das Jahrhundert in Vergessenheit geraten sind. Gleichzeitig fungiert der Friedhof als Archiv, das langsam in sich zusammenbricht.