Solomon & Co

Bremen, 2011

Zu Beginn der Performance sammelt sich das Publikum vor einer Bühne mit zwei Rednerpulten. Ordnerinnen geben Anweisungen und Scharfschützinnen bewachen das Geschehen. Der Aufbau der Veranstaltung impliziert Parallelen zu politischen Inszenierungen für ein Massenpublikum.
Die einzelnen Personen im Publikum erhalten von den Ordnerinnen jeweils einen Luftballon. Dabei werden die Anwesenden in einen bestimmten Sicherheitsabstand zur Bühne zurückgedrängt. Als schließlich Elianna Renner und ihre Mutter, Judith E. Renner-Wasserman, alias „Solomon & Co“, das Podest betreten, wird das Publikum zum Applaudieren animiert. Durch Fabriklautsprecher ist ein Wortwechsel in alphabetischer Reihenfolge zwischen Elianna Renner und Judith E. Renner-Wasserman zu hören. Die Wortreihen, die jeweils einen Buchstaben umspannen und in ruhiger Ernsthaftigkeit rezitiert werden, erscheinen im ersten Moment zusammenhangslos. Bei längerem Zuhören jedoch wird die Macht, die den einzelnen Begriffen innewohnt, durch die Vermischung der subjektiven Assoziationsketten zweier Individuen ad absurdum geführt und eine eigenwillige Poesie entsteht. Der markierte Raum Bühne/Publikum wird zu einem politisch-historischen und generationsübergreifend-assoziativen Freiraum deklariert in dem Zyklen von Erinnerungen produziert werden.
Nachdem das letzte Wort gesprochen ist, verlassen Elianna Renner und Judith E. Renner-Wasserman die Bühne. Im selben Augenblick lassen die Ordnerinnen ihre Luftballone in den Himmel steigen. Das Publikum zeigt sich solidarisch und imitiert die Handlung. Im selben Moment schiessen die Scharfschützinnen symbolisch salutierend in die Luft.
Nach dem Ende der Performance bleibt ihr Schauplatz als verlassener Ort bestehen. Podest, Rednerpulte, Transparente und verbliebene Luftballone werden dem Verfall preisgegeben. Die gesprochenen Worte der gerade beendeten Performance werden über die Lautsprecher im Loop fortgeführt. Sie werden zum Monument der vergangenen Aktion und lassen die Besucher des Kunstfrühlings durch den assoziativen Dialog hindurch in die Ausstellung eintreten.
Beim Betreten der Ausstellung treffen die Besucher in der Eingangshalle auf eine Video-Projektion, bei der alle während der Performance verlesenen Worte noch einmal stumm in Form eines Filmabspanns über den Boden laufen, während von draußen der Hall der Audio-Spur zu hören ist. 

„Solomon & Co“ wurde zur Eröffnung des Gedok-Performance-Festivals im Kunstfrühling 2011 in Bremen durchgeführt. Der Name „Solomon & Co“ steht für den Familiennamen der Großmütter von Elianna Renner und Judith E. Renner-Wasserman. Der Charakter einer Familie, in der oral history matrilinear weitergegeben wird, soll unterstrichen werden. Gleichzeitig wird diese Tradierung durch den Wortwechsel visualisiert: trotz des Generationsunterschiedes und unterschiedlicher Lebenswelten haben Mutter und Tochter punktuell ähnliche Assoziationen, die als identitätsstiftende Erinnerungen unbewusst weitergegeben wurden.